Geographisches Institut - Georg-August-Universität Göttingen

Abteilung Kultur- u. Sozialgeographie


4.4. Verkehrsmittelwahl bei Einkauf im Stadtzentrum oder auf der grünen Wiese

Im folgenden soll auf zwei Verknüpfungen der obigen Befragungsergebnisse eingegangen werden. Konkret werden die Zusammenhänge zwischen Verkehrsmittelbesitz und deren Nutzung zum Einkauf zum einen im Stadtzentrum und zum anderen in der stadtnahen Peripherie (große Einkaufszentren oder Fachmärkte auf der sog. ‚grünen Wiese‘) dargestellt.

 Verfügung über Verkehrsmittel und deren Nutzung zum Einkaufen im Stadtzentrum

 Um diesen und den nächsten Punkt verstehen zu können, bedarf es zunächst einiger Definitionen. Unter "gelegentliche Nutzung" eines PKWs ist zu verstehen, daß die befragte Person nicht über einen eigenen PKW verfügt, sondern diesen von den Eltern, den Mitbewohnern einer WG oder anderen Bekannten geliehen hat, er oder sie also nicht ständig darüber verfügen kann. Die Kombinationen "PKW & Fahrrad" und "Fuß & Fahrrad" bedeuten, daß beide Verkehrsmittel alternativ, nicht daß beide gleichzeitig genutzt werden.

 Abbildung 15: Verknüpfung Einkauf im Stadtzentrum und Verkehrsmittelwahl

Die obige und die darauffolgende Verknüpfung sollen zeigen, daß bei der Wahl des Verkehrsmittels das zu erreichende Ziel maßgebend ist, nicht die zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel.

Von den Personen, die einen eigenen PKW besitzen, nutzen über die Hälfte das Fahrrad zum Einkaufen im Stadtzentrum. Den wird PKW zu 15 % und die Kombination PKW & Fahrrad zu etwa 10 % genutzt. Andere Verkehrsmittel und Kombinationen spielen eine untergeordnete Rolle. Steht den Studierenden nur ein Fahrrad zur Verfügung, wird dieses überdurchschnittlich häufig genutzt (ca. 2/3), andere Optionen bis auf die Kombination Fuß & Fahrrad (10 %) spielen auch hier kaum eine Rolle.

 Die auffällige Übereinstimmung zwischen der Verfügung über ein Fahrrad und der generellen Nutzung des Verkehrsmittels ist auf den großen Anteil der Fahrradbesitzer unter den Befragten zurückzuführen.

Die wichtigsten Konsequenzen aus dieser Verknüpfung sind:

Unabhängig von der Verfügung über andere Verkehrsmittel wird das Fahrrad übermäßig zum Einkauf im Stadtzentrum genutzt.

Trotz Besitz eines PKWs wird dieser unterdurchschnittlich selten zum Einkaufen im Stadtzentrum genutzt. Die Ursache für die starke Dominanz der Fahrradnutzung ist wohl auf die weiträumige Verkehrsberuhigung der Göttinger Innenstadt zurückzuführen. Die Fußgängerzone ist nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen, Parkhäuser sind oft besetzt und Parkgebühren abhängig von der Entfernung vom Stadtkern sehr hoch. Personen (außer Lieferanten), die eine Durchfahrtserlaubnis in die Innenstadt besitzen, wohnen anzunehmenderweise auch dort und gehen zu Fuß oder per Fahrrad einkaufen.

 Im folgenden wird die Verknüpfung ‚Verfügung über Verkehrsmittel und deren Nutzung zum Einkaufen auf der grünen Wiese‘ dargestellt und erläutert.

Abbildung 16: Verknüpfung Einkauf auf der grünen Wiese und Verkehrsmittelwahl

Auch diese Verknüpfung dient der Darstellung und des Vergleichs des Besitzes von Verkehrsmitteln und deren Einsatzes. Unter "grüner Wiese" sind relativ innenstadtferne Gebiete mit großen Einkaufszentren, großen Fachmärkten, Möbelhäusern, u.ä. zu verstehen, oft in der Nähe von Industrie- und Mischgebieten, wo also eine andere Verteilung des Verkehrsmitteleinsatzes zu erwarten ist.

Im Gegensatz zur der Verkehrsmittelnutzung beim Einkauf im Stadtzentrum liegt hier der Anteil der Personen unter den PKW-Besitzern, die diesen auch tatsächlich zum Einkauf auf der grünen Wiese nutzen, bei über 70 %.

Kurz gefaßt:

Wer einen PKW besitzt, nutzt diesen in der Regel auch zum Einkauf auf der grünen Wiese.

Andere Möglichkeiten fallen kaum ins Gewicht. Die Befragten, die nur gelegentlich über einen PKW verfügen (Auto der Eltern, "WG-Auto"), nutzen ihn immer noch zu 40%, etwa gleichauf mit dem Fahrrad. Auch hier beträgt der Anteil der Kombination aus beidem etwa 10%, andere Verkehrsmittel oder deren Kombinationen spielen auch hier keine Rolle. Bei Personen, die nur über ein Fahrrad verfügen, liegt dessen Anteil bei über 50%, das Auto wird zu 30% genutzt (in dem bei PKW-Besitzern oder -Verfügern mitgefahren wird).

Auch hier ist wieder eine starke Übereinstimmung zwischen der Verteilung der Antworten bei den Besitzern eines Fahrrads und der allgemeinen Verkehrsmittelnutzung festzustellen, die, wie obige auch, auf den immens hohen Anteil der Fahrradbesitzer unter den Befragten zurückzuführen ist.

Diese Verknüpfung untermauert die These:

Das Ziel ist ausschlaggebend für die Nutzung eines Verkehrsmittels und nicht die Verfügung darüber.

Da bei den Supermärkten auf der grünen Wiese genügend und kostenlose Park-plätze vorhanden sind und die Entfernung zur Innenstadt relativ hoch ist, wird - im Gegensatz zum Einkaufen im Stadtzentrum - das Auto häufiger genutzt. So ergab unsere Befragung, daß auch Nicht-Pkw-Besitzer versuchen, sich eine Mitfahrgelegenheit oder einen PKW zum Einkauf zu sichern.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß viele Göttinger Befragten angaben, nie auf der grünen Wiese einzukaufen: Sie gaben entweder an, daß ihnen die Entfernung zu weit sei oder – oder, daß sie, zumeist aus gesundheitlich-ökologischen Gründen, große Supermärkte boykottieren würden.

Außerdem fällt auf, dass:

Trotz großer Entfernung der Super- oder Fachmärkte auf der grünen Wiese zum Wohnort der meisten Studenten wird der ÖPNV - selbst bei Nicht-Pkw-Besitzern - kaum genutzt.


4. DIE NUTZUNG DER DB UND DES ÖPNV
4.1. Die Nutzung der DB und ihrer Vergünstigungen
4.2. Die Nutzung der DB-Vergünstigungen im Vergleich mit den offiziellen Angaben der DB
4.3. Die Nutzung des ÖPNV in Göttingen
4.4. Verkehrsmittelwahl bei Einkauf im Stadtzentrum oder auf der grünen Wiese

5. DAS REISEVERHALTEN
5.1. Reisehäufigkeiten
5.2. Die Reiseziele Göttinger Studierender nach Kontinenten
5.3. Reiseziele innerhalb Europas der Göttinger Studierenden und im nationalen Vergleich
5.4. Reisemittel Göttinger Studierender innerhalb Deutschlands und Europas und im nationalen Vergleich
5.5. Beziehung zw. Einkommen und Reisehäufigkeit


Letzte Änderung: 11.02.2002 - maw

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