Projektstudie ttinger Wochenmarkt

Im Rahmen eines Seminars zur angewandten Geographie (inkl. 3 Geländetage)

WS 2001/2002

Seminarleitung
Dr. Michael Waibel

in Zusammenarbeit
dem Ordnungsamt der Stadt Göttingen

Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Andrea Haske, Kristin Baumgarten, Laura Reinhardt, Alex Kemp, Alex Seidlich, Christian Felker, Anna-Maria Ahsbahs, Jan Witte, Matthias Meißner, Yvonne Chapuy, Vera Kaufmann, Anneke Bartels, Annika Wilke, Patrick Orlowicz, Ambros Waidosch, Franziska Woellert, Peter Bredemeier, Zeljko Golic, Kai Lipinski

Presse
Artikel im Göttinger Tageblatt - 13.11.01
Ergebnisbericht im Göttinger Tageblatt - 9.03.02

Wochenmärkte und ihre Qualitäten
Die Bedeutung von Wochenmärkten in Deutschland hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Waren Wochenmärkte neben kleinen Einzelhandelsgeschäften noch die wichtigste Versorgungsquelle für Lebensmittel der städtischen Bevölkerung vor dem Zweiten Weltkrieg, so bewirkte der Konzentrationsprozess im Einzelhandel ab den 50er Jahren einen starken Rückgang der traditionellen städtischen Wochenmärkte. Ab Mitte der 70er Jahre erlebten die Märkte eine Renaissance und sind heute essentieller Bestandteil urbanen Lebens. Diese Entwicklung lässt sich auf verschiedene Ursachen zurückführen: Zum einen erhielten die Kunden hier erstmals die Möglichkeit, ökologische Produkte in vergleichsweise großer Auswahl zu kaufen. Zum anderen hatten sie das Gefühl auf dem Markt frischere Waren besserer Qualität direkt vom Erzeuger zu erhalten. Schließlich spielten der persönliche Kontakt zum Verkäufer und die typische Marktatmosphäre eine große Rolle bei der steigenden Beliebtheit von Wochenmärkten. Heute ist die traditionelle Form des Einkaufens auf dem Wochenmarkt eine nicht mehr wegzudenkende Komponente des städtischen Handels.

Historie des Göttinger Wochenmarkts
Göttingens Lage im Leinetalgraben als Nord-Süd-Route ist schon seit Gründung der Siedlung für den Handel von großer Wichtigkeit. Im Mittelalter war der Markt in Göttingen ein fester Handelsplatz mit großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region. Anfang des 13. Jahrhunderts erhielt Göttingen das Stadt- und Marktrecht. Der Markt bestand jedoch schon vorher, in der ländlichen Siedlung Gutingi um die Albanikirche. Als Markthändler traten vornehmlich fahrende Händler, ansässige Handwerker und Ackerbauern der Region auf. Die feilgebotenen Waren erstreckten sich dabei von Tuch, Gewand, Leder- und Schuhwerk über Farben, Waffen und Schmuck bis hin zu Lebensmitteln, wie Salz, Gewürzen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aller Art. Waren, die nicht regionaler Herkunft waren, kamen aus Lübeck und Frankfurt, den beiden wichtigsten Handelspartnern Göttingens. Ursprünglich wurde der Markt nur an Samstagen abgehalten, doch schon im Spätmittelalter kam ein weiterer Markttag hinzu. Zudem reisten viermal im Jahr Händler von außerhalb zu einem Jahrmarkt nach Göttingen. Zweimal pro Jahr wurde ein Viehmarkt abgehalten. Die starke wirtschaftliche Stellung des Marktes ließ 1572 mit dem Austritt Göttingens aus der Hanse nach. Anfang des 19. Jahrhunderts begann die wachsende Stadt wieder vermehrt Händler, auch von außerhalb, anzuziehen. Nun wurden bereits an drei Tagen Waren verkauft: dienstags, donnerstags und samstags, wie es auch heute der Fall ist. Der eigentliche Marktplatz vor dem Alten Rathaus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts für den sich immer mehr ausdehnenden Wochenmarkt zu klein, so dass sich der Handel auf die angrenzenden Straßen ausbreitete. Aufgrund des Platzmangels wurde in der Marktordnung von 1900 auch der Verkauf im übrigen Stadtgebiet erlaubt, durch Umherfahren oder -tragen der Waren. Seit 1900 wechselte der Markt ständig seinen Standort: Groner Straße, Nikolaistraße, dann Goetheallee mit Unterer und Oberer Maschstraße. Anschließend wurde er in den Bereich Papendiek, Pauliner- und Johannisstraße verlegt. In den 60er Jahren hatte der Wochenmarkt seinen Standort vor dem Amtshaus auf dem sog. "82er-Platz", Ende der 60er Jahre schließlich, wurde der Marktplatz in die Hospitalstraße verlegt, wo er auch heute noch dreimal wöchentlich abgehalten wird. Der Blumenmarkt - ein Teil des Wochenmarktes - befindet sich heute noch aus traditionellen Gründen auf dem historischen Marktplatz vor dem Alten Rathaus.

Vorgehensweise der empirischen Untersuchung
Für die Besucherbefragung wurde ein standardisierter Fragebogen mit geschlossenen und halboffenen Fragen verwendet. Es wurde zunächst ein Pretest durchgeführt. Eine Stichprobe von 600 Befragten wurde angestrebt, um die Repräsentativität der Stichprobe auch nach Bildung von Untergruppen innerhalb der Gruppe der Befragten sicherzustellen. Zur Auswertung standen schließlich 628 Fragebögen zur Verfügung. Die Auswahl der Befragten erfolgte nach dem Zufallsauswahlverfahren.
Es wurde in drei verschiedene Befragungsintervalle differenziert, da sich Ziele und Verhalten der Besucher zu verschiedenen Tageszeiten unterscheiden. Der Befragungszeitraum lag zwischen 8.00 und 12.30 Uhr. Die eine Hälfte der Befragungen fand innerhalb der Woche (Dienstag u. Donnerstag), die andere Hälfte der Befragungen am Samstag statt. Der Fragebogen für die Besucherbefragung war auf die folgenden Themen ausgerichtet: Angaben zum Besucherverhalten, Angaben zum Angebot auf dem Wochenmarkt, Negativbewertung, Wahrnehmung der Werbemaßnahmen sowie demographische Angaben.
Im Rahmen der Anbieterbefragung wurden 60 Standbetreiber interviewt, das entspricht etwa 80 % der Gesamtzahl der Anbieter auf dem Göttinger Wochenmarkt. Der standardisierte Fragebogen für die Anbieterbefragung setzte sich aus offenen, halboffenen und geschlossenen Fragen zusammen und war in folgende Abschnitte gegliedert: Angaben zur Unternehmensstruktur, Bewertung der Organisation und des Werbekonzeptes, der Entwicklung der Besucherströme sowie der Umsätze und persönliche Angaben.

Ergebnisse der empirischen Untersuchung
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ANBIETERBEFRAGUNG: Fragebogen
ANBIETERBEFRAGUNG: Wie haben sich ihre Einnahmen in den letzten Jahren entwickelt?
ANBIETERBEFRAGUNG: Umsatzänderung in den letzten Jahren - differenziert nach Verkaufsprodukt
ANBIETERBEFRAGUNG: Wie haben sich Ihrer persönlichen Meinung nach die Besucherströme in den letzten Jahren entwickelt?
ANBIETERBEFRAGUNG: Wie lange sind Sie auf dem Göttinger Wochenmarkt vertreten?
ANBIETERBEFRAGUNG: Sind Sie Erzeuger, Händler oder Erzeuger-/Händler?
ANBIETERBEFRAGUNG: Zufriedenheit mit der Organisation des Ordnungsamts - Bewertung der Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt
ANBIETERBEFRAGUNG: Verbesserungsvorschläge für die Organisation des Wochenmarktes?

BESUCHERBEFRAGUNG: Fragebogen
BESUCHERBEFRAGUNG: Persönliche Angaben der Wochenmarktbesucher - Altersstruktur auf dem Wochenmarkt - Spezifische Sozialgruppen
BESUCHERBEFRAGUNG: Karte des Einzugsgebiets der Wochenmarktbesucher - nach PLZ-Bezirken
BESUCHERBEFRAGUNG: Wie häufig besuchen Sie den Wochenmarkt?
BESUCHERBEFRAGUNG: Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie in die Stadt gekommen?
BESUCHERBEFRAGUNG: Wie viel Geld geben Sie heute auf dem Wochenmarkt aus? - nach Altersklassen
BESUCHERBEFRAGUNG: Für wie viele Personen kaufen Sie ein?
BESUCHERBEFRAGUNG: Einkaufsziel auf dem Wochenmarkt (Mehrfachantworten möglich)
BESUCHERBEFRAGUNG: Warum kaufen Sie gerade hier ein? - Mehrfachantworten möglich
BESUCHERBEFRAGUNG: Bewertung des Wochenmarktangebotes - nach Schulnoten (von 1 bis 6)
BESUCHERBEFRAGUNG: Bewertung des Wochenmarktes allgemein - nach Schulnoten (von 1 bis 6)
BESUCHERBEFRAGUNG: Kaufen Sie überwiegend Bio- oder herkömmlich angebaute Produkte? - nach Altersklassen
BESUCHERBEFRAGUNG: Wie bewerten Sie die Zusammensetzung des Angebots im Vergleich zu früheren Jahren?
BESUCHERBEFRAGUNG: Ist der Kontakt zum Verkäufer für Sie ... & ANBIETERBEFRAGUNG: Ist der Kontakt zum Käufer für Sie ...
BESUCHERBEFRAGUNG: Würden Sie sich ein zusätzliches Imbissangebot wünschen? - nach Besuchshäufigkeiten – in v. H.
BESUCHERBEFRAGUNG: Gewünschtes Imbissangebot - Einzelwünsche
BESUCHERBEFRAGUNG: Sind Sie mit den Öffnungszeiten zufrieden? - nach Altersgruppen
BESUCHERBEFRAGUNG: Sollen die Öffnungszeiten um eine Stunde nach hinten verschoben werden? - nach Altersgruppen
BESUCHERBEFRAGUNG: Was gefällt Ihnen auf dem Göttinger Wochenmarkt nicht?

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Aus den Ergebnissen der Anbieter-/Besucherbefragung abgeleitete Vorschläge zur Optimierung des Wochenmarktes

Publikation:
Waibel, Michael & Haske, Andrea (2002): Der Göttinger Wochenmarkt im geographischen Fokus - Ergebnisse einer vom Geographischen Institut der Universität Göttingen im Jahr 2001 durchgeführten Besucher- und Anbieterbefragung. In: Göttinger Statistik Aktuell (07). April 2002. (für Download benötigen Sie Adobe Acrobat Reader 4.0 oder 5.0).

Links

Der Göttinger Wochenmarkt auf der offizielle Seite der Stadt Göttingen

Institut zur Erforschung und Förderung des mobilen Handels GmbH

Bioland ist ein Zusammenschluß von 3.400 Biobauern, die nach den Bioland-Richtlinien wirtschaften


*Letzte Änderung: 04.08.2002 - M. Waibel

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